VBD
Vereinigung der benediktinischen Frauenklöster
im deutschen Sprachgebiet (VBD)


Wer verbirgt sich hinter "VBD" ?
Wie vesteht sich heute benediktinisches Frauenmönchtum im deutschsprachigen Raum?
Was bedeutet das Logo, das Benediktuskreuz?
Gebet des Hl. Benedikt
VBD - Wer verbirgt sich dahinter?

Die Benediktiner und Benediktinerinnen sind kein zentralisierter Orden, sondern ein Zusammenschluss von selbstständigen Klöstern. Es gibt keine zentrale Leitung und Organisation, keine gemeinsame Ausbildung neuer Mitglieder oder reguläre Versetzungen in andere Häuser. Am Ende des 19. Jahrhunderts schlossen sich auf Wunsch von Papst Leo XIII. die benediktinischen Klöster weltweit zur sogenannten Benediktinischen Konföderation zusammen. Dabei blieb das Prinzip der Selbstständigkeit unangetastet. Der vom Äbtekongreß gewählte Abtprimas repräsentiert vor allem die benediktinische Familie in Rom und wirkt für die Verbindung, den Austausch und die praktische Hilfe der einzelnen Gemeinschaften untereinander.
In der VBD haben sich die Frauenklöster des deutschen Sprachgebietes, die nach der Regel Benedikts leben, zu einem lockeren Verband zusammengeschlossen.
Das sind benediktinische Frauenklöster und Gemeinschaften in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Dänemark und Schweden.
Ziel dieser Vereinigung ist es, das Miteinander der verschiedenen Klöster zu fördern, sich über gemeinsame Fragen auszutauschen und sich nach Möglichkeit gegenseitig zu helfen.
Dies geschieht vor allem auf der alle zwei Jahre stattfindenden Vollversammlung. Zu dieser werden die Oberinnen der Klöster eingeladen. Alle vier Jahre wird eine Vorsitzende gewählt, die zwischen den Vollversammlungen für den Austausch von Informationen sorgt und die nächste Vollversammlung vorbereitet. Ihr stehen die 2. und 3. Vorsitzende zur Seite.
Auch der Kontakt und die Zusammenarbeit mit den männlichen Ordenszweigen soll dadurch erleichtert und gefördert werden.
Den Kontakt mit der Öffentlichkeit besorgen die einzelnen Klöster selbst.
Wer Kontakt zum benediktinischen Leben sucht, wendet sich am besten an eines der in der Adressenliste angegebenen Klöster.
Auch auf Weltebene suchen die benediktinischen Frauengemeinschaften Kontakte und Austausch miteinander. Der Zusammenschluß aller Benediktinerinnenklöster auf der Welt ist die Communio internationalis benedictinarum = C.I.B. Im September 2002 fand in Rom das erste Symposium der C.I.B. statt mit Teilnehmerinnen aus allen 5 Kontinenten. Ca. 100 Äbtissinnen und Priorinnen aus aller Welt, sowie eine Gruppe junger Schwestern trafen sich, ums sich kennenzulernen, miteinander zu beten, sich über die Regel Benedikts auszutauschen und sich gegenseitig zu fördern. Dieser Prozeß ist auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel.

Benediktinisches Frauenmönchtum im deutschsprachigen Raum

Frauen, die in verschiedenen Klöstern und Gemeinschaften des deutschen Sprachgebiets (sowie in Dänemark und Schweden) der geistlichen und praktischen Weisung der Regel des hl. Mönchsvaters Benedikt (ca. 480-547) folgen, verstehen ihre Lebensform nicht als – wie auch immer geartete - Steigerung von Christsein, sondern als Versuch, konkret „unter der Führung des Evangeliums“ (Prolog der Regel Benedikts) zu leben. Sie wissen sich unter dem Anspruch dieses Evangeliums gerufen, Gott zu suchen – und zwar in und als Gemeinschaft „unter Regel und Äbtissin/Priorin“ (Kap. 1 der Benediktsregel). Angesichts der Krise menschlicher Beziehungen in der heutigen postmodernen Gesellschaft (Bindungsangst, Vereinsamung, Verdrängung von Krankheit und Sterben) möchten benediktinische Frauengemeinschaften anschaulich-ansteckende christliche Lebensform sein, welche der Sehnsucht nach Gott eine Stimme verleiht und zugleich eine Alternative sowohl zum bloßen Nebeneinander als auch zur kollektivistischen Instrumentalisierung und Verplanung von Menschen darstellt.

Benediktinisches Frauenmönchtum in seinem radikalen Offen- und Freisein für Gott ist zutiefst zweckfreies Leben - mehr ein Sein als ein Tun – und stellt somit in einer vom Leistungs- und Machbarkeitsdenken geprägten Gesellschaft eine Herausforderung dar. Im Bewußtsein, sich Gott ganz zu verdanken, wird für benediktinische Frauen das Gebet zur Lebensform. Die tägliche gemeinsame Feier des kirchlichen Stundengebetes ist zugleich Lob Gottes (auch stellvertretend für die Welt) und umformende Begegnung mit seinem lebendigen Wort, eine Begegnung, die sich im persönlichen Gebet und im Lesen der Hl. Schrift vertieft.

In einem Leben, in welchem der Liebe zu Christus und dem Gottesdienst nichts vorgezogen wird, gewinnt auch die Arbeiteine neue Qualität. Frei vom Zwang bloßen Zweckdenkens und ohne auf eine spezifische Aufgabe festgelegt zu sein, sind benediktinische Frauengemeinschaften im bewußten Kontakt mit der gesellschaftlich-kulturellen Situation, in der sie leben, und auf der Grundlage ihres jeweiligen Gründungscharismas offen für verschiedenartigste Dienste innerhalb des eigenen Klosterbereiches sowie auch darüber hinaus für eine apostolische, sozial-caritative Tätigkeit in Kirche und Gesellschaft. Im Einbringen der vielfältigen Gaben, Kenntnisse und Fähigkeiten der einzelnen Schwestern wird Gott im Gottesdienst und auch in der Arbeit jeder Gemeinschaft verherrlicht.

Die traditionelle Gastfreundschaft benediktinischer Frauengemeinschaften wurzelt in ihrer Gottsuche, die nicht an der Welt und den Menschen vorbeigeht. So laden die Schwestern Menschen in ihre Klöster ein, die erstmals oder wieder neu eine religiöse Orientierung für ihr Leben suchen oder ihren christlichen Glauben theologisch-spirituell vertiefen möchten, die persönliche Begleitung auf wichtigen Lebensabschnitten erbitten oder den Wunsch nach einer Zeit der Erholung, Stille und Besinnung haben. Gäste sowie die Teilnehmer an religiösen Kursangeboten eines benediktinischen Frauenklosters erfahren das Bemühen der Schwesterngemeinschaft um einen Geist der Unterscheidung und des rechten Maßes in allen Fragen klösterlicher Alltagsgestaltung. Nicht zuletzt gibt der ausgeglichene Lebensrhythmus davon Zeugnis im typischen Wechsel von Gebet und Arbeit, Alleinsein und Gemeinschaft, Reden und Schweigen, Alltag und Fest. Auch andere Kernpunkte benediktinischer Spiritualität sind – in abgewandelter Form - innere Baugesetze jedes christlichen Lebens: der Mut, sich ein Leben lang an Orte und Menschen zu binden (Stabilität), die bedingungslose Offenheit, auf Gott und die Gemeinschaft zu hören (Gehorsam), die Bereitschaft zu beständiger Umkehr und Lebenswahrhaftigkeit (Demut) in Treue zur einmal gewählten klösterlichen Lebensform, der von Ehrfurcht und Liebe geprägte Umgang von Menschen verschiedener Generationen und unterschiedlicher charakterlich-lebensgeschichtlicher Prägung – eine Haltung, die sich auf jeden Klostergast, aber auch auf alle Gebrauchsgegenstände der Gemeinschaft und nicht zuletzt auf Gottes gesamte Schöpfung erstreckt.

Das Wort „Pax“ (Friede) über dem Eingang vieler Frauenklöster, die nach der Regel Benedikts leben, ist angesichts der sozial-politischen Wirklichkeit in der Welt ein unverzichtbares christliches Lebensprogramm. Als Ferment des Friedens Christi wollen benediktinische Frauengemeinschaften im Spannungsfeld von Kontemplation und Mission mit Menschen von heute „die Wege gehen, die der Herr uns zeigt.“(Prolog der Benediktsregel)

Sr. Manuela Scheiba OSB